In den vergangenen fünf Jahren sind viereinhalb Millionen alte Autos aus Deutschland verschwunden — und mitten in dieser Schrumpfung gibt es Fahrzeuge, von denen heute mehr zugelassen sind als 2021. Der Käfer gehört dazu. Der Trabant auch. Beide werden seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut, und beide stehen 2026 häufiger in den Zulassungsregistern als fünf Jahre zuvor. Das ist keine Sammlerlegende, sondern das Ergebnis einer Rechnung mit zwei amtlichen Zahlen.
Für diesen Artikel habe ich die Bestandsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes für den 1. Januar 2021 und den 1. Januar 2026 heruntergeladen und Schlüsselnummer für Schlüsselnummer verglichen — 63.260 Kombinationen aus Hersteller- und Typschlüssel. Diese Auswertung gibt es sonst nirgends, weil das Amt zwar beide Jahrgänge veröffentlicht, aber keinen Vergleich zwischen ihnen.

Viereinhalb Millionen Autos, die es nicht mehr gibt
Die Typschlüsselnummer verrät das ungefähre Alter eines Fahrzeugs, ohne dass ein Baujahr dabeisteht. Alte Genehmigungen tragen eine dreistellige Ziffernfolge, neuere eine Buchstabenkombination. Wer die Bestände nach diesem Merkmal trennt, bekommt zwei Gruppen, die sich in fünf Jahren gegenläufig entwickelt haben.
| Gruppe | 1.1.2021 | 1.1.2026 | Änderung |
|---|---|---|---|
| alte Schlüsselnummern (Ziffern) | 14.937.298 | 10.430.459 | −30,2 % |
| neue Schlüsselnummern (Buchstaben) | 44.230.476 | 45.214.691 | +2,2 % |
| Gesamtbestand | 59.167.774 | 61.690.665 | +4,3 % |
Der Gesamtbestand wächst also, und trotzdem verliert die ältere Hälfte in denselben fünf Jahren fast ein Drittel ihres Umfangs. Rechnerisch sind gut viereinhalb Millionen Fahrzeuge mit alter Genehmigung aus dem Bestand gefallen, verschrottet, exportiert oder auf unbestimmte Zeit stillgelegt — das sind rund zweieinhalbtausend Autos an jedem einzelnen Tag dieses Zeitraums.
Wie man das nachrechnen kann
Das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht unter dem Kürzel FZ 6 jedes Jahr eine Tabelle mit dem Bestand nach Herstellern und Typen. Sie enthält fünf Spalten: Herstellerschlüsselnummer, Herstellername, Typschlüsselnummer, Handelsname und die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge. Für 2026 sind das 63.260 Zeilen. Die Nutzungsbedingungen stehen im Impressum der Datei: Datenlizenz Deutschland, Namensnennung, Version 2.0 — die Zahlen dürfen ausgewertet und weitergegeben werden.
Die beiden Schlüsselnummern stehen in Ihren eigenen Fahrzeugpapieren, in den Feldern 2.1 und 2.2 der Zulassungsbescheinigung. Wer wissen will, wie es dem eigenen Modell ergangen ist, braucht nichts weiter als diese beiden Zahlen und die Tabelle weiter unten. Wo die Felder genau sitzen, steht im Artikel über den Fahrzeugschein.
Der Absturz: die Massenware derselben Jahre
Wer glaubt, alte Autos verschwänden ungefähr gleichmäßig, irrt sich um den Faktor zwanzig, denn zwischen den einzelnen Baureihen liegen Welten. Die Verlierer sind ausnahmslos Fahrzeuge, die einmal in sehr großer Zahl auf der Straße standen und deren Ersatzteile heute mehr kosten als der Wagen selbst.
| Fahrzeug | 2021 | 2026 | Änderung |
|---|---|---|---|
| Opel Vectra B Caravan | 4.372 | 1.114 | −74,5 % |
| Opel Zafira A | 4.374 | 1.130 | −74,2 % |
| Ford Galaxy | 6.496 | 1.693 | −73,9 % |
| Ford Mondeo | 7.274 | 1.988 | −72,7 % |
| Mazda Premacy | 7.573 | 2.074 | −72,6 % |
| Ford Ka | 12.272 | 3.446 | −71,9 % |
| Opel Corsa B | 25.143 | 7.850 | −68,8 % |
Der Opel Corsa B ist dabei der eindrücklichste Fall, gerade weil es ihn einmal in solchen Stückzahlen gab: Von dieser einen Typschlüsselnummer waren am 1. Januar 2021 noch 25.143 Fahrzeuge zugelassen, fünf Jahre später sind es 7.850. Siebzehntausend Autos sind verschwunden, und das bei einem einzigen von über sechzigtausend Schlüsseln.
Dazwischen liegen die Fahrzeuge, denen es weder gut noch schlecht ergeht. Der Golf II verliert 19,2 Prozent, der Mercedes 230 E der Baureihe W124 17,1 Prozent. Beide gelten längst als Klassiker, beide werden gepflegt — und trotzdem geht der Bestand zurück. Bei ihnen ist die Kippbewegung noch nicht abgeschlossen.
Die Wiederkehr: was gegen den Strom schwimmt
Und dann gibt es die andere Seite, die man in einer Gruppe, die insgesamt um dreißig Prozent schrumpft, eigentlich nicht erwarten würde. Einzelne Fahrzeuge legen zu, und es sind keine Exoten aus Sammlerhand, sondern die bekanntesten Autos der Republik.
| Fahrzeug | 2021 | 2026 | Änderung |
|---|---|---|---|
| Opel Manta GSi | 1.843 | 2.091 | +13,5 % |
| VW Golf I GTI | 1.622 | 1.816 | +12,0 % |
| Fiat 500 (Nuova) | 5.069 | 5.662 | +11,7 % |
| Trabant P601 L | 17.681 | 19.168 | +8,4 % |
| Opel GT | 2.008 | 2.142 | +6,7 % |
| BMW 325i (E30) | 1.609 | 1.701 | +5,7 % |
| Porsche 944 | 2.213 | 2.333 | +5,4 % |
| VW Käfer | 18.757 | 19.262 | +2,7 % |
| Citroën 2 CV | 10.063 | 10.342 | +2,8 % |
| VW Golf Cabriolet | 21.586 | 21.883 | +1,4 % |
Für diese Zahlen gibt es nur eine mögliche Ursache, denn neu gebaut wird keines dieser Fahrzeuge, und eingeführt werden sie in solchen Mengen ebenfalls nicht. Es müssen also Autos sein, die vorher abgemeldet in Scheunen, Garagen und Hallen standen und irgendwann wieder zugelassen wurden. Der Bestand wächst, weil Menschen alte Fahrzeuge schneller zurück auf die Straße holen, als andere Exemplare daraus verschwinden.
Der Opel Manta GSi hat in fünf Jahren 248 Fahrzeuge zugelegt. Beim Trabant P601 sind es 1.487.
Der Kipppunkt
Zwischen den beiden Tabellen liegt der eigentlich interessante Vorgang, und er lässt sich in einem Satz beschreiben. Jedes Auto beginnt als Gebrauchtwagen, dessen Bestand fällt, weil es gefahren wird, bis die nächste Reparatur teurer ist als der Wagen — und irgendwann kippt diese Kurve, weil von da an mehr Exemplare wieder angemeldet als abgemeldet werden.
Dieser Moment ist der Übergang vom alten Auto zum Klassiker, und er lässt sich datieren. Beim Golf Cabriolet ist er offenbar erreicht, beim Golf II noch nicht. Beim BMW E30 in der Ausführung 325i ist er vorbei, beim 320d derselben Marke, Baujahre um 2000, steht der Absturz noch bevor — minus 68 Prozent in fünf Jahren.
Wer ein Auto kaufen will, das seinen Wert hält, sucht genau diesen Punkt und nichts anderes. Ein Modell, dessen Bestand noch fällt, ist billig und wird in aller Regel noch billiger; eines, dessen Bestand bereits wieder steigt, hat den Boden hinter sich.

Probieren Sie es aus
Die Tabelle unter diesem Absatz enthält 90 Typschlüsselnummern — die 45 mit dem stärksten Rückgang und die 45 mit dem stärksten Zuwachs, jeweils mit mindestens 1.500 Fahrzeugen im Jahr 2021. Sie können nach Marke, Modell oder Schlüsselnummer suchen und zwischen Gewinnern und Verlierern umschalten. Wer die eigene Nummer aus Feld 2.1 und 2.2 eintippt, findet das eigene Auto.
Eine Falle, in die ich zuerst getappt bin
Mein erster Durchlauf verglich die Bestände über den Handelsnamen — also über das, was in der Tabelle als Modellname steht. Das Ergebnis sah spektakulär aus und war falsch. Der Audi A5 Coupé verschwand angeblich zu hundert Prozent, ebenso der Range Rover Evoque und der Kia Cee’d.
Die Erklärung ist banal, aber sie kostet einen halben Nachmittag: Das Kraftfahrt-Bundesamt schreibt die Namenstexte zwischen den Jahrgängen um, sodass aus „A5 COUPE,AUDI A5″ eine andere Zeichenkette wird und der Vergleich ins Leere läuft. Verlässlich ist allein der Vergleich über Hersteller- und Typschlüsselnummer, weil diese Kombination an das Fahrzeug gebunden ist und nicht an einen Werbenamen, den eine Marketingabteilung ändern kann.
Ich schreibe das hier hin, weil dieselbe Falle jedem offensteht, der die Dateien selbst herunterlädt. Und weil eine Auswertung, deren Methode man nicht prüfen kann, nichts wert ist.
Was die Zahlen nicht sagen
Ein Bestand ist keine Aussage über den Zustand, und das ist die wichtigste Einschränkung dieser Auswertung. Ein Fahrzeug, das zugelassen ist, kann seit drei Jahren mit defekter Kupplung in einer Halle stehen, und umgekehrt fehlen sämtliche abgemeldeten Autos in der Statistik — auch die frisch restaurierten, die noch auf ihr Gutachten warten.
Zweitens enthält FZ 6 sämtliche Fahrzeugarten, also auch Anhänger, Wohnwagen und Krafträder. Die Zahlen oben sind auf Personenwagen durchgesehen, aber in der Gesamtsumme von 61,7 Millionen steckt alles.
Drittens sagen die stärksten Zuwächse der Gesamtliste nichts über Klassiker aus. Ein BMW 118i legt um mehr als tausend Prozent zu, weil er 2021 gerade erst auf den Markt kam. Deshalb sind in dieser Auswertung nur die alten, ziffernbasierten Schlüsselnummern berücksichtigt — Fahrzeuge, die niemand mehr neu kaufen kann.

Was in fünf Jahren daraus wird
Die nächste Ausgabe der Statistik erscheint im Frühjahr 2027, und dann lässt sich dieselbe Rechnung noch einmal aufmachen. Interessant wird nicht der Käfer sein, dessen Kurve seit Jahren steigt, sondern die Fahrzeuge dazwischen: der Golf II, der W124, der Audi 80. Fällt ihr Bestand weiter, oder haben sie den Punkt erreicht, an dem mehr Menschen sie zurückholen als aufgeben? Ich rechne es nach und schreibe es hier hin. Schauen Sie in einem Jahr wieder vorbei — oder tragen Sie sich in die Werkstattpost ein, dann kommt der Nachtrag von selbst.
Weiterlesen
- Fahrzeugschein lesen: jedes Feld erklärt — wo Ihre HSN und TSN stehen
- H-Kennzeichen: Voraussetzungen, Steuer, Versicherung — was aus einem alten Auto einen Oldtimer macht
- Kaufberatung BMW E30 — eine der Baureihen, deren Bestand wieder wächst
- Kaufberatung Mercedes W124 — eine, bei der die Kurve noch fällt
Quellen
- Kraftfahrt-Bundesamt: Bestand nach Herstellern und Typen (FZ 6) – Produktseite mit den Jahrgängen 2021 bis 2026 als XLSX
- FZ 6, Stichtag 1. Januar 2026 – 63.260 Zeilen, Grundlage aller Werte für 2026
- FZ 6, Stichtag 1. Januar 2021 – 58.021 Zeilen, Grundlage aller Werte für 2021
- Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 – Nutzungsbedingungen der ausgewerteten Daten, wie im Impressum der Dateien angegeben
- Kraftfahrt-Bundesamt: Downloadbereich Fahrzeuge – Übersicht aller Statistikreihen zu Bestand und Zulassungen
- Anlage 6 FZV – Feld (2.1) und (2.2): wo Hersteller- und Typschlüsselnummer im Fahrzeugschein stehen
Stand: 5. September 2026. Alle Bestandszahlen stammen aus den beiden verlinkten Dateien des Kraftfahrt-Bundesamtes und wurden über Hersteller- und Typschlüsselnummer verglichen. Enthalten sind Typschlüsselnummern alter Bauart mit mindestens 1.500 Fahrzeugen im Jahr 2021. Datenquelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg.
Über den Autor
Bernd Mischke, Jahrgang 1975. Gelernter Mechaniker, heute Simultandolmetscher für Englisch und Trainer für Automotive-Themen – auf dem Shopfloor und weltweit. Schreibt hier über das, was zwischen Prospekttext und Stammtisch liegt. Mehr über mich
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Titelbild: Trabant 601 Universal, Baujahr 1967, auf der Retro Classics. Foto: Alexander-93, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.