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Scheinwerfer: Wie Vorschriften die Front des Autos formten

12 Kapitel · 1 interaktiver Zeitstrahl · 130 Jahre Autolicht

Worum es geht
Autoscheinwerfer von der Karbidlampe (1892) bis zum HD-Matrix-Modul mit 19.216 Mikro-LEDs (2023)
Die Zweifadenlampe
Bilux, später ECE-Kategorie R2, Sockel P45t, 12 V, 45/40 W — vorgestellt 1924 oder 1925, die Quellen streiten
Die schräge Linie
Asymmetrisches Abblendlicht, Typgenehmigung 1957: rechts bis 150 m, links etwa 50 m — und warum das keine Willkür ist
Der US-Sonderweg
Sealed Beam, ab 1940 vorgeschrieben, ab 1983 nicht mehr allein zulässig — was das mit BMW, Mercedes und Citroën machte
Halogen
H1 ab 1962, H4 ab 1971 mit 1.650 und 1.000 Lumen aus 60 und 55 Watt
Xenon
Ab 1991, etwa 3.200 Lumen aus 35 Watt, Zündspannung bis 25.000 Volt
Die Lumen-Schwelle
Über 2.000 Lumen verlangt ECE-R48 Leuchtweitenregulierung und Scheinwerferreinigungsanlage
Werkzeug
Zeitstrahl mit 20 Stationen aus Technik, Recht und Fahrzeugen

Am Scheinwerfer entscheidet nicht allein der Ingenieur, wie ein Auto aussieht, sondern der Gesetzgeber — und das seit über hundert Jahren. In den Vereinigten Staaten schrieb eine Vorschrift ab 1940 zwei runde Normteile vor und legte damit die Front amerikanischer Autos für vier Jahrzehnte fest. In Europa entschied 1957 eine Typgenehmigung darüber, wie das Licht bis heute auf der Fahrbahn liegt. Und als der erste Voll-LED-Scheinwerfer in Serie ging, brauchte er eine Sondergenehmigung, weil die passende EU-Regelung noch fehlte.

Karbid und Kerze: Licht, das man anzünden musste

Karbidscheinwerfer eines Automobils von 1912
Karbidscheinwerfer, 1912. Der Gasentwickler saß beim Spyker 60 HP von 1903 mit der Lampe in einer Einheit. Foto: Trekphiler, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Thomas Leopold Willson erfand 1892 die Karbidlampe, und damit bekam das Automobil erstmals ein Licht, das Wind und Regen aushielt — belegt allerdings nur durch eine einzige Quelle. Das Prinzip passt in einen Satz: Calciumcarbid trifft auf Wasser, dabei entsteht Acetylen, und dessen Flamme brennt hell und weiß. Vorher fuhr man mit Kerze und Öldocht aus dem Kutschen- und Fahrradbau, wobei eine Schraubenfeder die Kerze im Halter nachschob, bis sie heruntergebrannt war.

Diese frühen Lampen sollten die Fahrbahn gar nicht ausleuchten. Sie dienten dazu, gesehen zu werden, und das ist ein ganz anderer Auftrag als der heutige. Ab etwa 1900 setzten sich Acetylenlampen durch; eine englischsprachige Quelle datiert die ersten Gasscheinwerfer sogar in die späten 1880er-Jahre. Billig war das nicht. Eine deutsche Quelle nennt bis zu 35 Liter Gas in der Stunde, und gewartet werden musste die Anlage ständig.

Das überraschendste Detail dieser Epoche steht in einer Rennsportquelle. Prest-O-Lite bot ab 1904 Acetylengeneratoren auf Calciumcarbid-Basis ab Werk an, und zu den Mitgründern der Firma zählten Carl Fisher und James Allison. Dieselben beiden Männer gehörten zu den vier Gründern des Indianapolis Motor Speedway. Wer damals im Autolicht Geld verdiente, baute offenbar auch Rennstrecken.

Der Sprung zur Elektrik

Ford Model T von 1913
Ford Model T, 1913. Das Model T von 1908 hatte hinten noch eine Öllampe; elektrisches Licht bekam es erst ab 1915. Foto: BrokenSphere, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Charles Kettering und Edward Deeds gründeten die Dayton Engineering Laboratories Company, kurz Delco, um das Auto zu elektrifizieren. Aus dieser Werkstatt kamen bessere Zündanlagen, bessere Scheinwerfer und der erste elektrische Anlasser, den Cadillac 1912 einbaute. Hier muss man genau lesen. Belegt ist für 1912 der Anlasser; dass Cadillac im selben Jahr auch die elektrischen Scheinwerfer brachte, steht nur in Sekundärquellen, die vom Delco-Gesamtsystem aus Zündanlage und Licht sprechen.

Wer den ersten elektrischen Scheinwerfer hatte, lässt sich nicht entscheiden, und die Quellen verschweigen das nicht. Genannt werden das Columbia Electric Car von 1898 als Extra, Peerless 1908 als erstes Serienauto, Mercedes 1910 mit einem Dynamo und eben Cadillac 1912. Das Louwman Museum setzt den praktischen Durchbruch sogar erst auf 1919 und 1920 an, weil es darauf ankommt, was man zählt: Extra, Serie oder komplettes System mit Generator.

Robert Bosch stellte sich eine andere Frage. Er sah, dass sich der Markt vom Luxusfahrzeug zum Gebrauchsfahrzeug verschob, und ließ ab 1910 ein ganzes Paket entwickeln: Lichtmaschine, Scheinwerfer, Batterie und Reglerschalter, ab 1913 serienreif als Bosch-Licht. Das eigene Firmenportal datiert es auf 1913 bis 1914, die eigene Pressemeldung auf 1913 — zwei Texte desselben Hauses, zwei Angaben. Die Ausgangslage ist bemerkenswert: Vor diesem Schritt baute Bosch fast nur Zündungen, und 1913 kamen 88 Prozent des Umsatzes aus dem Ausland.

Bilux: zwei Fäden, ein Glas

Osram-Bilux-Lampe für 6 Volt
Osram Bilux, 6 V. Die spätere ECE-Kategorie heißt R2, Sockel P45t, in der 12-Volt-Ausführung 45/40 Watt. Foto: btr, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

Das Problem war ein Zielkonflikt, kein Bauteilmangel. Frühe symmetrische Scheinwerfer leuchteten nur etwa 20 Meter weit, und heller durfte man sie nicht machen, weil das den Gegenverkehr geblendet hätte. Die erste Antwort war mechanisch: 1915 führte die Guide Lamp Company das Abblenden ein, 1917 schaltete der Fahrer bei Cadillac über einen Hebel im Innenraum um, ab 1927 saß der Schalter unter dem linken Fuß.

Die Bilux verlagerte das Problem aus der Bedienung in die Konstruktion. Zwei Glühwendeln sitzen in einem Kolben, und fürs Abblendlicht arbeitet nur die vordere davon, die so sitzt, dass sie den oberen Bereich des Reflektors trifft. Ein Scheinwerfer, zwei Funktionen, ein Umschalter. Daran hat sich bis zur H4 nichts Grundsätzliches geändert. Die spätere ECE-Kategorie heißt R2, und nach einer Quelle blieb diese Bauart bis in die 1970er-Jahre Standard.

Beim Datum wird es unangenehm. Osram nennt 1925 und warb 2025 mit einer Jubiläumskampagne unter diesem Datum, während vier voneinander unabhängige Quellen 1924 nennen. Mit den geprüften Belegen lässt sich das nicht auflösen, also stehen hier beide Jahreszahlen. Und noch etwas fehlt: Keine Quelle nennt einen Erfinder mit Namen, auch der Hersteller nicht. Bei einem Bauteil, das ein halbes Jahrhundert lang in fast jedem Auto saß, ist das eine erstaunliche Lücke — ähnlich wie bei Frederick Lanchester, dessen Namen an seiner eigenen Erfindung kaum jemand kennt.

Der Zeitstrahl unter diesem Absatz sortiert die Jahreszahlen, die in diesem Artikel gegeneinander stehen. Schalten Sie zwischen Technik, Recht und Fahrzeugen um. Sie sehen dann, wie oft die Regel vor dem Bauteil da war — und wie oft umgekehrt.

20 Stationen von 1892 bis 2022. Klicken Sie eine Zeile an, dann erscheint darunter, was belegt ist und was strittig bleibt. Die Filter trennen Technik, Recht und Fahrzeuge; jede Station nennt das Quellenkürzel, unter dem Sie den Beleg am Artikelende wiederfinden.

Das Regelwerk: die schräge Linie und was sie erlaubt

1957 erhielt Hella die Typgenehmigung für einen Scheinwerfer mit asymmetrischem Abblendlicht, und das ist die konkreteste Zuschreibung, die sich für diesen Schritt belegen lässt. Eine Person dahinter nennt keine unabhängige Quelle. Zwei weitere Quellen datieren den ersten Scheinwerfer mit scharfer Hell-Dunkel-Grenze auf 1956, weshalb beide Jahreszahlen nebeneinander bleiben. Als erstes Fahrzeug wird der Ford 17 M von 1957 genannt, ebenfalls nur von einer Quelle.

Die Idee dahinter kann man sehen. In Ländern mit Rechtsverkehr steigt die Hell-Dunkel-Grenze rechts um 15 Grad an, sodass der rechte Fahrbahnrand weit ausgeleuchtet wird, während links alles niedrig bleibt und der Gegenverkehr verschont wird. In Metern heißt das: rechts bis etwa 150, auf der Fahrerseite etwa 50.

Ein überraschender Nachtrag steht in einem Herstellerblog: Die USA hätten asymmetrisches Licht etwa 20 Jahre früher genutzt als Europa. Das widerspricht der verbreiteten Erzählung, wonach der US-Normscheinwerfer eine asymmetrische Verteilung gar nicht zuließ. Gegenprüfen ließ sich das nicht. Belegt ist nur, dass dem Sealed-Beam-System nach deutscher Prüfpraxis die europäische Hell-Dunkel-Grenze fehlt und es deshalb kein echtes Abblendlicht ist. Das erste Motorrad mit asymmetrischem Abblendlicht war übrigens eine MZ ES 125 von 1962.

Sealed Beam: wie eine US-Vorschrift Europas Autos veränderte

Packard 645 von 1929
Packard 645, 1929. Die großen Rundscheinwerfer der zwanziger Jahre wurden ab 1940 in den USA zum genormten Bauteil. Foto: Infrogmation of New Orleans, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ab 1940 durfte ein Auto in den Vereinigten Staaten vorn nur noch zwei runde Scheinwerfer mit sieben Zoll Durchmesser tragen, je einen pro Seite. Sealed Beam war kein Bauteil im üblichen Sinn, sondern ein geschlossener Block aus Reflektor, Abschlussscheibe, Gehäuse und Leuchtmittel; fiel der Glühfaden aus, flog der ganze Scheinwerfer in den Müll. 1957 kamen vier kleinere Einheiten zu je 5,75 Zoll dazu, zwei fürs Abblend-, zwei fürs Fernlicht. Rechteckig durfte es erst 1974 oder 1975 werden; die Quellen weichen um ein Jahr ab.

Wer nach Amerika verkaufen wollte, musste sein Auto vorn umbauen — drei Beispiele stehen dafür, alle drei aus einer einzigen Quelle. Der BMW 2000 CS trug in Europa breite, der Haubenkante folgende Scheinwerfer; für die USA ersetzten vier Rundscheinwerfer sie, und den übrigen Platz füllte geripptes Aluminium. Beim Mercedes-Benz 280 SL lief es ähnlich, mit Rundscheinwerfern, großer Blinkerscheibe und geripptem Kunststoff als Füllstück.

Der Citroën SM verlor mehr als sein Gesicht. Seine niveaugeregelten, mitlenkenden Scheinwerfer wichen vier feststehenden Rundscheinwerfern in verchromten Kunststoffnischen, weit auseinandergesetzt. Aussehen und Funktion gingen zugleich verloren, und genau dort wird aus einer Lichtvorschrift eine Formvorschrift. 1983 änderten die USA die Regel nach Lobbyarbeit von Ford und ließen erstmals seit 1939 wieder auswechselbare Leuchtmittel und freie Formen zu; eine andere Quelle nennt 1984. Das erste amerikanische Serienauto mit Verbundscheinwerfer war der Lincoln Mark VII, und in seinem Modelljahr blieb es das einzige.

Gut vier Jahrzehnte hielt die Vorschrift, wobei eine TÜV-nahe Quelle sogar das Modelljahr 1938 als Beginn nennt. Gelockert wurde sie zwischendurch: 1978 hob die Regel die zulässige Fernlichtstärke auf 75.000 Candela an, und ab dem Modelljahr 1979 gab es Sealed Beams mit Halogenlampe im Inneren. In Deutschland sind solche Scheinwerfer an Neufahrzeugen seit 1990 unzulässig, weil ihnen die Hell-Dunkel-Grenze fehlt. Wer einen Import mit H-Kennzeichen bewegt, sollte das wissen, bevor der Prüfer davorsteht.

H4 und was danach kam

H4-Halogenlampe
H4, Sockel P43: zwei Wendeln, 60 Watt für Fernlicht und 55 für Abblendlicht. Foto: Hans Haase, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Elmer Fridrich und Emmett Wiley bekamen im April 1959 das US-Patent 2.883.571 auf die Wolfram-Halogenlampe. Wer das Patent hielt, steht nicht in der geprüften Quelle, weshalb die verbreitete Zuordnung zu einem großen Konzern hier fehlt. Ihre Lampe löst ein altes Ärgernis: Vom Glühdraht abdampfendes Wolfram schlägt sich sonst als schwarzer Belag am Kolben nieder, doch mit Jod und Brom im Füllgas kehren die Teilchen zur Wendel zurück. Der Kolben bleibt klar, und die Lampe verliert im Alter kaum Licht.

Bei der H1 wird das Datum kurios. Drei Quellen nennen 1962, der Osram-Autolichtblog nennt 1964, die Osram-Kampagnenseite 1971 — zwei Veröffentlichungen desselben Hauses widersprechen sich. Interessanter als das Jahr ist eine Formulierung: Die H1 sei von einer Gruppe europäischer Lampen- und Scheinwerferhersteller eingeführt worden. Welche Firmen dazugehörten, sagt niemand, und mehrere reklamieren die Urheberschaft für sich. Vorgesehen war sie zunächst nur für Zusatzscheinwerfer.

Die H4 von 1971 brachte beide Funktionen in eine Lampe zurück, wie die Bilux ein halbes Jahrhundert zuvor, nur heller. Sie wurde weltweit vorherrschend, mit einer Ausnahme: In den USA blieb sie wegen der Sealed-Beam-Pflicht draußen. Als erstes Serienfahrzeug wird ein Mercedes SL genannt, genauer der 350 SL. Eine Quelle datiert die Lampe schon auf 1966, alle anderen ihren Marktstart auf 1971.

Lichtstrom und Beleuchtungsstärke sind zwei verschiedene Dinge. Der Lichtstrom in Lumen sagt, wie viel Licht eine Lampe insgesamt abstrahlt, gleichgültig wohin. Die Beleuchtungsstärke in Lux sagt, wie viel davon auf einer Fläche ankommt, also auf dem Stück Asphalt vor dem Auto. Eine starke Lampe im schlechten Reflektor bringt viele Lumen und wenig Lux auf die Straße. Für den Fahrer zählt deshalb nicht, was die Lampe leistet, sondern was der fertige Scheinwerfer daraus macht.

Die Sollwerte der Lampen sind genormt und deshalb vergleichbar: Die H1 liefert 1.550 Lumen bei 55 Watt, die H4 im Fernlicht 1.650 Lumen bei 60 Watt und im Abblendlicht 1.000 Lumen bei 55 Watt, die H7 rund 1.500 Lumen bei 55 Watt. Ausgerechnet für die Bilux fehlt der Wert. Weder die UN-Regelung im abrufbaren Teil noch die Handelsquellen nennen für die R2 einen Lumenwert, deshalb steht hier keiner. Geschätzt wird nicht.

Parallel änderte sich die Optik hinter dem Glas. Der klassische Parabolreflektor bündelte das Licht, verteilt wurde es danach in der geriffelten Streuscheibe; 1983 brachte Hella den ersten DE-Projektionsscheinwerfer, 1988 folgte der Freiflächenreflektor, dessen Form keiner einfachen mathematischen Fläche mehr entspricht, sondern im Rechner Zone für Zone bestimmt wird. Weil dieser Reflektor die schräge Grenze allein erzeugt, wurde die Streuscheibe überflüssig, und aus geriffeltem Glas wurde eine glatte Abdeckung aus Kunststoff. Von hier stammen die Klarglasscheinwerfer, die seit den neunziger Jahren das Gesicht fast jedes Autos prägen — eine Formensprache, die ähnlich funktioniert wie die bei Felgen, wo technische Vorgaben ebenfalls zur Stilfrage wurden. Wer den Freiflächenreflektor entwickelte und in welchem Auto er zuerst saß, sagt keine Quelle.

Paul Magès und die Scheinwerfer, die mitlenkten

Citroën DS 21 Pallas von 1968
Citroën DS 21 Pallas, 1968. Bei den Pallas-Ausführungen gehörten die mitlenkenden inneren Scheinwerfer zur Serienausstattung. Foto: Niels de Wit from Lunteren, The Netherlands, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Paul Magès löste das Kurvenlichtproblem mit Hebeln, Stangen und Rückstellfedern, während die Konkurrenz an teuren elektronischen Systemen arbeitete. Sein Gestänge überträgt den Lenkwinkel von der Zahnstange direkt auf die beiden inneren Scheinwerfer der Citroën DS, die dabei um fast 80 Grad schwenken, asymmetrisch zu den äußeren. Ob der Wagen ab September 1967 oder ab September 1968 so ausgeliefert wurde, sagen die Quellen verschieden; vermutlich verwechselt eine Seite Kalender- und Modelljahr.

Neu war die Idee nicht. Schon 1914 berichtete die Presse von einem automatischen Kurvenlichtscheinwerfer, und der Cadillac Type 57 von 1918 gilt als erstes Serienauto damit. Dann kam das Verbot. In den 1960er-Jahren untersagten die Behörden das Schwenken des Abblendlichts, und erst die ECE-Reform von 2002 machte dynamisches Kurvenlicht wieder möglich. Eine Technik verschwand also nicht, weil sie schlecht war, sondern weil sie verboten wurde.

2003 kam sie in der Mittelklasse zurück, im Opel Vectra und im Signum, entwickelt mit Hella: bis zu 15 Grad Schwenkwinkel je nach Lenkwinkel und Tempo, dazu ein Abbiegelicht, das seitlich etwa 30 Meter weit reicht. Kurven würden damit etwa 90 Prozent besser ausgeleuchtet, gab Opel an — eine Herstellerzahl ohne offengelegte Methodik, und bis zu welchem Tempo das Abbiegelicht arbeitet, sagen die Quellen verschieden: 50 km/h nennt die eine, 30 die andere.

Xenon: helleres Licht, neue Streitfragen

1991 bekam der BMW 7er der Baureihe E32 Gasentladungsscheinwerfer von Bosch, die unter dem Namen Litronic liefen und zuerst im 750i und 750iL zu haben waren. Das ist die am dichtesten belegte Zuschreibung, denn nur hier nennen die Quellen Modell, Zulieferer und Motor. Zwei andere Quellen schreiben dieselbe Premiere Mercedes-Benz zu, Hella datiert die eigene erste Xenon-Serie auf 1992. Auflösen lässt sich das nicht. Also stehen alle drei Ansprüche nebeneinander.

Im Xenonscheinwerfer glüht kein Draht mehr, sondern ein Lichtbogen brennt zwischen zwei Elektroden. Das Vorschaltgerät zündet ihn mit einem Hochspannungsimpuls und hält ihn danach bei etwa 85 Volt und 400 Hertz. Wie hoch der Zündimpuls ausfällt, sagen die Quellen verschieden: bis zu 25.000 Volt nach der einen, 10.000 nach der anderen, womöglich ein Unterschied zwischen den Lampengenerationen. Der Aufwand lohnt sich, denn eine D2S liefert etwa 3.200 Lumen aus 35 Watt, während eine H7 mit 55 Watt bei rund 1.500 Lumen bleibt.

Mehr Licht heißt mehr Pflichten, und hier greift das Regelwerk wieder. Ab 2.000 Lumen verlangt ECE-R48 eine automatische Leuchtweitenregulierung und eine Scheinwerferreinigungsanlage, bei Xenon wie bei LED. Der Grund liegt auf der Hand, auch wenn ihn keine Quelle ausschreibt: Je heller die Lichtquelle ist, desto stärker blendet jede Fehlstellung und jeder Schmutzfilm den Gegenverkehr. Der Schwellenwert stammt aus einer einzigen Sekundärquelle, weil sich der Originaltext nicht abrufen ließ.

Xenonlicht liegt bei etwa 4.200 Kelvin. Die Farbtemperatur beschreibt den Farbton des Lichts: niedrige Werte wirken gelblich-warm, hohe bläulich-kalt, und Halogen liegt bei etwa 3.200 Kelvin. Für den Fahrer heißt ein höherer Wert vor allem ein anderer Eindruck der Fahrbahn, nicht automatisch mehr Sicht. Beim E32 nannte BMW knapp die dreifache Helligkeit gegenüber Halogen und bis zu 200 Meter Reichweite. Ab 1999 kam mit dem Bi-Xenon auch das Fernlicht aus der Gasentladungslampe, zuerst im Mercedes-Benz CL.

LED und Matrix: als das Licht rechnen lernte

Matrix-LED-Scheinwerfer
Matrix-Systeme teilen das Fernlicht in Segmente auf. Audi begann 2013 mit 25, VW kam 2023 auf 19.216 Mikro-LEDs je Scheinwerfer. Foto: Kickaffe (Mario von Berg), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der erste belegte Schritt gehört Toyota. Der Lexus LS 600h kam im Mai 2007 in Japan in den Verkauf und hatte als erstes Serienauto ein LED-Abblendlicht, in einer Anordnung aus drei Projektoren. Diese Angabe stammt vom Hersteller und nennt sogar den Stichtag seiner Erhebung, was sie zur verlässlichsten des Kapitels macht. Eine Einschränkung gehört dazu: Das Fernlicht arbeitete weiter mit Glühfaden, weshalb Meldungen über ein Voll-LED-Auto von 2007 danebenliegen.

Den ersten Voll-LED-Scheinwerfer bekam der Audi R8, je nach Quelle 2007 oder 2008, mit 54 Lichtquellen je Scheinwerfer: 24 weiße Dioden fürs Tagfahrlicht, acht gelbe für den Blinker, dazu Zweier- und Vierergruppen für Abblend-, Fern- und Zusatzlicht. Hier steht das Detail, das den ganzen Artikel zusammenhält: Der Scheinwerfer brauchte eine EU-Sondergenehmigung, weil die passende Regel erst 2008 erwartet wurde. Die Technik war fertig, bevor das Recht sie kannte. Das weiße LED-Tagfahrlicht kam schon 2004 im A8 W12, und was Licht der Marke bedeutete, steht in der Geschichte der Audi-Designabteilung.

Matrixlicht ist im Grunde eine Rechenaufgabe. Statt eines ungeteilten Fernlichtkegels arbeiten viele einzeln schaltbare Segmente, von denen die Kamera einzelne ausblendet, sobald darin ein anderes Fahrzeug steht. Audi begann 2013 mit 25 Segmenten, Opel brachte 2015 im Astra ein System mit 16 Elementen ins Kompaktsegment, das mit 32 Watt auskam statt der 72 Watt einer Halogenanlage. Die Leistungsaufnahme in Watt sagt, wie viel Strom die Anlage zieht; weniger Watt bei gleicher Helligkeit heißt für den Fahrer schlicht weniger Verbrauch, bei Opel mit etwa 0,7 Gramm CO2 je Kilometer angegeben.

Danach wurden die Zahlen größer als jede Anschauung. VW brachte 2023 im Touareg ein HD-Matrix-Modul mit 19.216 Mikro-LEDs je Scheinwerfer, zusammen 38.432, auf einem Chip von etwa neun mal vier Millimetern, angesteuert über einen Videostream. Audi lenkt beim digitalen Matrix-Licht rund 1,3 Millionen Mikrospiegel je Scheinwerfer, also mit der Technik eines Videoprojektors. Solche Scheinwerfer malen Spurlinien auf die Autobahn und gehören damit in dieselbe Familie wie die Assistenzsysteme, die dem Fahrer Entscheidungen abnehmen.

In den USA war genau das jahrelang verboten. Toyota beantragte 2013 bei der Behörde NHTSA, den Beleuchtungsstandard zu öffnen, 2021 schrieb der Kongress die Änderung im Infrastrukturgesetz fest, und im Februar 2022 erlaubte die geänderte Vorschrift FMVSS 108 adaptives Fernlicht, auch zum Nachrüsten. Ein Verbandstext rechnet vor, dass Europa die Technik seit 2006 zuließ — eine Lücke von 16 Jahren, in der dieselben Autos hier sehen durften und dort nicht.

Laserlicht: der Name stimmt nicht ganz

BMW Laserlicht
Beim Laserlicht trifft kein Laserstrahl die Straße. Ein Phosphorkonverter macht aus blauem Laserlicht weißes. Foto: X550i, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer Laserlicht hört, denkt an einen Strahl auf der Fahrbahn. Genau das passiert nicht. Vier Laserdioden von je 300 Mikrometern Durchmesser erzeugen blaues Licht mit 450 Nanometern Wellenlänge, das ein Phosphorkonverter in weißes Licht von 5.500 Kelvin umwandelt. BMW beschreibt das eigene System dagegen mit drei blauen Dioden und einem gelben Phosphorfilter — zwei verschiedene Systeme, die man nicht verwechseln sollte.

Den Wettlauf gewann Audi. Der R8 LMX kam im Sommer 2014 als erstes Serienfahrzeug mit Laser-Fernlicht heraus, in 99 Exemplaren zu 210.000 Euro, während der BMW i8 die Technik erst im Herbst bekommen sollte. Das Laserlicht arbeitet erst ab 60 km/h, es ist reines Fernlicht und ergänzt das LED-Fernlicht, statt es zu ersetzen. Beim R8 nennt die Fachpresse 500 Meter Reichweite, BMW spricht von bis zu 600 Metern gegenüber etwa 300 bei konventionellem Fernlicht.

Verbreitet hat sich die Technik trotzdem nicht, und drei belegte Punkte erklären, warum. Im Vergleichstest der AUTO ZEITUNG kostete das Laserlicht des i8 einen Aufpreis von 9.000 Euro, während LED-Pakete zwischen 650 Euro im Mazda 2 und 2.145 Euro im VW Passat lagen. Im selben Test enttäuschte die teure Option durch starke Reflexionen an den Fahrbahnmarkierungen. Nutzbar ist sie ohnehin nur jenseits von 60 km/h. Eine Marktanalyse, die das zusammenführt, gibt es nicht — dieser Schluss ist unserer, nicht der der Quellen.

Was der Fahrer davon hat

H7-Halogenlampe
H7, 55 Watt bei 12 Volt, rund 1.500 Lumen. Nachrüst-LEDs in dieser Bauform brauchen eine Bauartgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Foto: Beemwej, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Wer heute LED nachrüsten will, stößt zuerst auf eine Behörde und erst danach auf ein Bauteil. Nachrüst-LEDs brauchen eine Allgemeine Bauartgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts, gestützt auf Paragraf 22a der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung, und sie gelten nur für Fahrzeuge, deren Scheinwerfer gemeinsam mit dem Leuchtmittel geprüft wurden. Passt die Lampe mechanisch in ein anderes Auto, darf sie dort trotzdem nicht hinein. Über 50 Oldtimer-Modelle sind freigegeben.

Die Folgen eines falschen Einbaus sind unangenehm: Die Betriebserlaubnis erlischt, der Versicherungsschutz schrumpft, und nachträglich abnehmen lässt sich nichts. Bußgeldbeträge nennen die geprüften Quellen ausdrücklich nicht, deshalb stehen hier keine. Praktisch heißt das: Nummer über den QR-Code der Verpackung abrufen, den Nachweis mitführen, danach das Licht im Fachbetrieb einstellen lassen.

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Bei der Hauptuntersuchung geht es weniger um die Lampe als um den Winkel. Die deutsche Scheinwerfer-Prüfrichtlinie gilt verbindlich seit Januar 2018, sie ist reines deutsches Recht, und sie stellt erstaunliche Ansprüche an den Boden: Die Fahrbahn darf höchstens 1,5 Prozent geneigt sein, am Aufstellort des Prüfgeräts sind nur Unebenheiten von einem Millimeter erlaubt. Alle 24 Monate muss das Einstellgerät kalibriert werden. Steht am Scheinwerfer eine 1, meint das ein Prozent Neigung, also einen Zentimeter Abfall je Meter.

Am Scheinwerfer selbst steht die ganze Zulassungsgeschichte in einem großen E im Kreis: Die Ziffer daneben nennt das Land, das genehmigt hat, also 1 für Deutschland, 2 für Frankreich, 3 für Italien, 4 für die Niederlande und 5 für Schweden. Genehmigt heißt nicht hergestellt. Weil die glatten Kunststoffabdeckungen jeden Schleier zeigen, lohnt sich hier passende Pflege mehr als am Lack.

Wer das Licht macht

Auffällig ist, wie viele Namen in dieser Geschichte fehlen. Willson, Kettering, Fridrich, Wiley und Magès stehen in den Quellen, aber wer die Bilux erfand, weiß niemand mehr, und wer die schräge Hell-Dunkel-Grenze zuerst zeichnete, auch nicht. Statt Personen tragen Firmen und Regelnummern die Erzählung. Bei einer Technik, die jede Nacht über Leben entscheidet, ist das eine merkwürdige Form von Anonymität.

Beim nächsten Schritt zeichnet sich dasselbe Muster ab. Ein Scheinwerfer mit 1,3 Millionen Mikrospiegeln kann Symbole auf die Fahrbahn schreiben, und was er schreiben darf, entscheidet wieder kein Ingenieur. Gehen Sie einmal um Ihr Auto herum und suchen Sie das E im Kreis auf der Streuscheibe. Die Ziffer daneben sagt Ihnen, welches Land Ihrem Licht seine Form gegeben hat. Und falls Sie einen Import mit Sealed-Beam-Front fahren: Ich sammle solche Fälle, denn die Literatur dazu ist dünn, Ihre Kotflügel sind es nicht.

Weiterlesen

Quellen

Alle Online-Quellen abgerufen am 6. September 2026. Die Kürzel entsprechen den Quellenangaben im Zeitstrahl. Hersteller-, Werkstatt- und Community-Quellen sind im Text als solche gekennzeichnet.

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  2. S02 · Wikipedia (englisch): Headlamp. en.wikipedia.org
  3. S03 · Encyclopaedia Britannica: Delco (American company). www.britannica.com
  4. S04 · Robert Bosch GmbH: 1906–1925 – Globalisierung und Neustart. www.bosch.de
  5. S05 · Bosch Media Service: Bosch-Licht mit Generator, Scheinwerfer, Reglerschalter und Batterie. www.bosch-presse.de
  6. S06 · ams-OSRAM AG: 100 Years of OSRAM Automotive. ams-osram.com
  7. S07 · OSRAM: 100 Jahre OSRAM Automotive. www.osram.de
  8. S08 · HELLA: A journey through the history of lamps and rear lamps. www.hella.com
  9. S09 · HELLA Partner World: Reise durch die Historie der Scheinwerfer und Rückleuchten. www.hella.com
  10. S10 · HELLA: 125 years – Meilensteine. 125years-hella.com
  11. S11 · Wikipedia: Abblendlicht. de.wikipedia.org
  12. S12 · firmenauto: Von Karbid bis LED – Geschichte der Autoscheinwerfer. www.firmenauto.de
  13. S13 · motor1.com Deutschland: Die High-Lights der Scheinwerfer-Geschichte. de.motor1.com
  14. S14 · Wikipedia (englisch): H1 lamp. en.wikipedia.org
  15. S15 · UNECE: Regulation No. 37 – Filament lamps (PDF). unece.org
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  17. S17 · OSRAM Autolichtblog: Ziemlich schräg – die Asymmetrie beim Licht. www.autolichtblog.de
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  20. S20 · Classic Cars Today Online: A Brief History of Headlamp Styles in the U.S.. www.classiccarstodayonline.com
  21. S21 · The Autopian: Let’s Confront The Three Worst Euro-To-US Headlight Changes. www.theautopian.com
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  23. S23 · Wikipedia: Freiformreflektor. de.wikipedia.org
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  27. S27 · BimmerToday: 25 Jahre Xenon-Scheinwerfer im 7er E32. www.bimmertoday.de
  28. S28 · Toyota Global Newsroom: Lexus Launches LS 600h and LS 600hL in Japan. global.toyota
  29. S29 · motorsport-total.com: Audi präsentiert erste Voll-LED-Scheinwerfer der Welt. www.motorsport-total.com
  30. S30 · The Retrofit Source: What was the First Production Car with LED Headlights?. blog.theretrofitsource.com
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  33. S33 · SEMA: NHTSA Issues Final Rule Allowing Adaptive Driving Beam Headlights. www.sema.org
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  35. S35 · t-online: Audi R8 LMX – Erstes Serienauto mit Laser-Scheinwerfern. www.t-online.de
  36. S36 · Nordwest-Zeitung: Laser-Licht strahlt bis zu 600 Meter weit. www.nwzonline.de
  37. S37 · passionnement-citroen.com: Citroën DS – The secret of the directional headlights from 1967. en.passionnement-citroen.com
  38. S38 · Wikipedia: Kurvenlicht. de.wikipedia.org
  39. S39 · kfz-tech.de: Kurvenlicht. www.kfz-tech.de
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Bernd Mischke schreibt in Bernies Garage über Autotechnik, Design und die Menschen dahinter. Hinweise, Korrekturen und Widerspruch gehen an bernd [at] bernies-garage [punkt] com.

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Gesucht: Fahrzeuge mit Sealed-Beam-Front oder zurückgebauter Europa-Optik. Fotos von vorn, gern mit dem Prüfzeichen auf der Streuscheibe.

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