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Drei Frauen, drei geniale Ideen: Wie Mary, Charlotte und Florence das Autofahren sicherer machten

Scheibenwischer, Blinker und Bremslicht gehören zu den Bauteilen, über die niemand nachdenkt, solange sie funktionieren. Alle drei gehen auf Frauen zurück, die zwischen 1903 und 1917 in den Vereinigten Staaten gearbeitet haben. Keine von ihnen hat damit Geld verdient.

Mary Anderson, 1903

Mary Anderson beobachtete während einer Straßenbahnfahrt in New York, wie der Fahrer bei Schneefall anhalten und aussteigen musste, um die Frontscheibe freizuwischen. Manche Fahrer ließen die Scheibe gleich offen und fuhren im Schneetreiben.

Anderson entwarf einen Gummiarm, der von innen über einen Hebel bedient wurde und über die Scheibe strich. 1903 erhielt sie das Patent. Sie bot die Konstruktion mehreren Herstellern an. Eine Firma antwortete, das Gerät habe keinen ausreichenden kommerziellen Wert.

Das Patent lief 1920 aus. Etwa zur selben Zeit begannen Autohersteller, Scheibenwischer serienmäßig einzubauen.

Charlotte Bridgwood, 1917

Vierzehn Jahre später ging Charlotte Bridgwood den nächsten Schritt. Ihre Konstruktion arbeitete nicht mehr von Hand, sondern elektrisch: Rollen, angetrieben vom Motor des Fahrzeugs oder von einem eigenen Elektromotor. Sie nannte das Gerät Electric Storm Windshield Cleaner und meldete es im Oktober 1917 zum Patent an.

Bridgwood, geboren 1861 im heutigen Ontario, brachte die Erfindung nie in Serie. Auch dieses Patent lief 1920 aus. Zwei Jahre danach übernahm Cadillac das Prinzip.

Florence Lawrence

Charlotte Bridgwood war die Mutter von Florence Lawrence – jener Schauspielerin, die als erster Filmstar der Geschichte gilt, weil sie die erste war, deren Name auf den Plakaten stand.

Lawrence konstruierte einen Arm, der sich per Knopfdruck am hinteren Kotflügel aufrichtete und die Fahrtrichtung anzeigte, sowie eine Klappe, die beim Bremsen ein Signal sichtbar machte. Es sind die Vorläufer von Blinker und Bremslicht.

Sie meldete keines von beiden zum Patent an. Genau deshalb steht ihr Name nirgends, als die Industrie beides übernahm.

Warum keine von ihnen davon lebte

Bei allen dreien liegt das Problem nicht in der Idee, sondern im Zeitpunkt und im Umgang der Industrie mit ihr. Anderson und Bridgwood hatten Patente, aber keinen Zugang zu Produktion und Vertrieb; Lawrence hatte den Zugang zur Öffentlichkeit, aber kein Patent.

Bemerkenswert ist die zeitliche Nähe: Beide Patente liefen 1920 aus, und in den Jahren unmittelbar danach wurden Scheibenwischer zur Serienausstattung. Ob das Zufall war, lässt sich nicht mehr klären.

Zeitleiste

  • 1903 – Mary Anderson erhält das Patent auf den handbetriebenen Scheibenwischer
  • 1917 – Charlotte Bridgwood meldet den elektrischen Scheibenwischer an
  • 1920 – Beide Patente laufen aus
  • ca. 1922 – Cadillac übernimmt Bridgwoods Prinzip
  • 1929 – Charlotte Bridgwood stirbt in Hollywood

Kein Einzelfall

Dass Beiträge von Frauen aus der Automobilgeschichte verschwinden, hat Methode. Die erste Weltumrundung mit einem Serienautomobil legte 1927 bis 1929 eine 26-jährige Rennfahrerin zurück, deren Name heute kaum jemandem etwas sagt – nachzulesen in unserem Beitrag über Clärenore Stinnes.

Was davon zu halten ist

Man sollte die drei nicht zu Heldinnen verklären. Anderson war keine Ingenieurin, sondern eine aufmerksame Beobachterin mit handwerklichem Verstand. Bridgwood führte eine Schauspielagentur. Lawrence war Schauspielerin.

Genau das macht die Geschichte interessant: Drei Bauteile, die heute in jedem Fahrzeug vorgeschrieben sind, stammen nicht aus einer Entwicklungsabteilung, sondern von Leuten, die ein konkretes Problem im Alltag gelöst haben.

Quellen

Angaben zu Patenten und Lebensdaten nach Wikipedia sowie zeitgenössischen Patentschriften. Die Zuschreibung von Blinker und Bremssignal an Florence Lawrence beruht auf überlieferten Berichten; ein Patent existiert nicht.

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Bernd Mischke

Über den Autor

Bernd Mischke, Jahrgang 1975. Gelernter Mechaniker, heute Simultandolmetscher für Englisch – meist auf dem Shopfloor, bei technischen Trainings. Schreibt hier über das, was zwischen Prospekttext und Stammtisch liegt. Mehr über mich

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