Ein Automobil wird von Hunderten Menschen entwickelt, aber seine Form entsteht am Anfang im Kopf einiger weniger. Wer die Fahrzeuge kennt, kennt selten die Namen dahinter – dabei lässt sich die Geschichte des Automobils entlang dieser Namen erzählen.
Zehn Designer, deren Arbeit man täglich auf der Straße sieht.
1. Luc Donckerwolke

Der Belgier, 1965 in Lima geboren, verantwortete bei Lamborghini den Murciélago und den Gallardo – die beiden Fahrzeuge, mit denen die Marke unter Audi-Regie wieder Fuß fasste. Danach zeichnete er bei Bentley den Continental Flying Spur.
Seit 2016 arbeitet er für die Hyundai Motor Group, wo er die Luxusmarke Genesis gestalterisch aufgebaut hat. Sein Werk zeigt, dass sich eine Formensprache übertragen lässt, ohne dass sie beliebig wird.
2. Filippo Perini

Perini kam über Alfa Romeo zu Lamborghini und leitete dort die Designabteilung. In seine Zeit fallen der Aventador und der Huracán – Fahrzeuge, die die kantige Lamborghini-Sprache konsequent weiterführen, statt sie zu glätten.
Anschließend wechselte er als Designchef zu Italdesign, jenem Studio, das Giorgetto Giugiaro gegründet hatte.
3. Giorgetto Giugiaro

Wenn ein Name für die Breite dieses Berufs steht, dann seiner. Giugiaro, Jahrgang 1938, entwarf den VW Golf der ersten Generation, den Scirocco und den Passat, dazu Fiat Panda und Uno, den Lotus Esprit, den DeLorean DMC-12 und den Maserati Ghibli.
Die Spannweite ist der Punkt: Vom Kleinwagen für Millionen bis zum Sportwagen für wenige stammt vieles aus derselben Feder. 1999 wurde er zum Car Designer of the Century gewählt.
4. Chris Bangle

Bangle leitete das BMW-Design von 1992 bis 2009 und ist der einzige auf dieser Liste, dessen Arbeit ernsthaften Widerstand ausgelöst hat. Der Siebener der Baureihe E65 mit seiner abgesetzten Heckpartie brachte ihm den Spottnamen „Bangle Butt“ ein; es gab Unterschriftensammlungen gegen ihn.
Zwanzig Jahre später wirkt die Aufregung merkwürdig. Die Formensprache, die er einführte, ist heute Branchenstandard. Sein Vorgänger war Claus Luthe, dessen ruhige Flächen den Kontrast erst deutlich machen.
5. Battista „Pinin“ Farina

Farina, 1893 geboren, gründete 1930 sein Karosseriebauunternehmen in Turin. Der Cisitalia 202 von 1947 gilt als eines der ersten Automobile, das als Designobjekt anerkannt wurde – ein Exemplar steht im Museum of Modern Art in New York.
Ab 1951 begann die Zusammenarbeit mit Ferrari, die bis heute die längste Verbindung zwischen einem Hersteller und einem Designhaus ist. 1961 wurde aus Pinin Farina offiziell Pininfarina. Er starb 1966.
6. Frank Stephenson

Stephenson hat eine Eigenschaft, die selten ist: Er kann Ikonen neu auflegen, ohne sie zu beschädigen. Der BMW-Mini von 2001 und der Fiat 500 von 2007 sind beide Neuinterpretationen historischer Fahrzeuge, und beide funktionierten kommerziell wie gestalterisch.
Daneben stehen der Ferrari F430, der Maserati MC12 und der McLaren P1 – eine Bandbreite, die vom Stadtauto bis zum Hypercar reicht.
7. Ian Callum

Callum, Jahrgang 1954, entwarf den Aston Martin DB7 und den Vanquish, bevor er 1999 die Designleitung bei Jaguar übernahm und zwanzig Jahre behielt.
Seine Aufgabe dort war die schwierigere: eine Marke aus der Retro-Falle zu holen, ohne ihren Charakter zu verlieren. Der F-Type und der I-Pace zeigen, dass es gelungen ist.
8. Leonardo Fioravanti

Fioravanti arbeitete bei Pininfarina und zeichnete dort eine Reihe von Ferrari, die den Ruf der Marke begründet haben: den Daytona, den Dino 246, den 308 GTB, den 288 GTO und den F40.
Der F40 von 1987 war das letzte Fahrzeug, das Enzo Ferrari persönlich freigab. Dass Fioravantis Name außerhalb der Fachwelt kaum bekannt ist, sagt mehr über die Branche als über seine Arbeit.
9. Marcello Gandini

Gandini, 1938 geboren, entwarf bei Bertone den Lamborghini Miura und den Countach – zwei Fahrzeuge, die die Vorstellung davon, wie ein Supersportwagen auszusehen hat, für Jahrzehnte festgelegt haben. Dazu kommen der Lancia Stratos und der Lamborghini Espada.
Der Countach von 1971 ist dabei der radikalere Entwurf: eine reine Keilform, die praktisch keine Vorbilder hatte. Gandini starb im März 2024 im Alter von 85 Jahren.
10. Gordon Murray

Murray ist kein Designer im engeren Sinn, sondern Konstrukteur – und gehört genau deshalb auf diese Liste. Er entwarf Formel-1-Fahrzeuge für Brabham und McLaren, bevor er 1992 den McLaren F1 auf die Straße brachte: Dreisitzer mit mittigem Fahrerplatz, kein Servo, keine Fahrhilfen, über zwanzig Jahre lang der schnellste Serienwagen der Welt.
Sein T.50 führt denselben Gedanken fort. Murrays Thema ist nicht die Form, sondern das Gewicht – und beides hängt enger zusammen, als man denkt.
Angaben zu Lebensdaten, Stationen und Fahrzeugen nach Wikipedia und Herstellerangaben. Die Auswahl ist redaktionell und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – über die Reihenfolge lässt sich streiten, über die Bedeutung dieser zehn kaum.
Über den Autor
Bernd Mischke, Jahrgang 1975. Gelernter Mechaniker, heute Simultandolmetscher für Englisch und Trainer für Automotive-Themen – auf dem Shopfloor und weltweit. Schreibt hier über das, was zwischen Prospekttext und Stammtisch liegt. Mehr über mich
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